Lang lebe der Corporate Blog!

Seit mehreren Jahren ist Social Media in aller Munde und fast überall findet man den dringenden Ratschlag sich als Marketing Unternehmen darauf zu fokussieren. Doch was ist aus dem Corporate Blog geworden?

Verselbstständigt hat sich der Gedanke, dass Social Media nur aus sozialen Netzwerken besteht, oftmals werden sogar nur die beliebtesten Netzwerke wie Facebook, Twitter, LinkedIn, Google+, Youtube etc. genannt. Doch was ist eigentlich aus dem Corporate Blog (zu deutsch Unternehmensblog) geworden? Welcher Irrglaube hat ihn auf der Prioritätenliste nach ganz unten verschoben?

Laut der “Corporate Blog 2014” Studie von DieKarrierebibel haben etwa nur die Hälfte aller Unternehmen einen hauseigenen Blog. Vor einer Dekade entstand der Corporate Blog als neuer Distributionskanal, auf dem man mit Neuigkeiten und detaillierten Produktbeschreibungen eine engere Beziehung zu den Kunden aufbauen und seine Position auf dem Markt stärken wollte. Im Grunde hat sich daran nicht viel geändert, außer, dass Leser heute nicht mehr mit reinen Informationen beliefert werden möchten, sondern nach dem vielbesungenen Mehrwert suchen. Schließt man von den Interaktionen auf das Interesse der Leser, dann liegen deutlich Expertentipps oder Schilderungen von persönlichen Erfahrungen weit vor Pressemitteilungen und News (vgl. Studie). Ein Blog sollte im Idealfall eine bunte Mischung sein mit inhaltlichem Fokus auf dem Kunden, statt dem Unternehmen.

Seit dem Aufstieg mit Facebook und dem massiven Aufschwung des Social Media Marketings ist der Blog aus vielen Köpfen entweder verdrängt oder wird stiefmütterlich behandelt. Jedoch werden die hohen Nutzer- und Umsatzzahlen nicht für immer bestehen. Gerade durch jüngste Neuerungen (siehe z.B. den Facebook Algorithmus, der die Reichweite von Unternehmensseiten drastisch verringert hat) merken Unternehmen einen Faktor, den sie lange verdrängt haben: Mit einem Profil auf einem sozialen Netzwerk unterliegen sie zu einhundert Prozent dem Netzwerk, gegen keine Änderung oder Bestimmung können sie etwas tun. Sprich es gibt keine Garantie, dass Netzwerke so bleiben, wie sie momentan sind, es wäre utopisch das zu denken. Aktuelle Beispiele sind die immer wieder auftauchenden Statements aus der Facebook Zentrale, die Kursänderungen des Netzwerkes ankündigen.

Vorteile:

Hier liegt eine der Stärken des Blogs: eigene Kontrolle. Bis auf gewisse Richtlinien, die Hosting Services vorgeben, hat man auf dem Blog die alleinige Macht über Design, Aufbau und Inhalt.
Auch Suchmaschinen-technisch liegt der Blog weiter vorne im Rennen. Obwohl die Präsenzen auf sozialen Netzwerken in Google Suchergebnissen oft auf den ersten Seiten angezeigt werden, werden einzelne Beiträge oder Posts nicht erfasst. Separate Blogeinträge, wenn mit den richtigen Keywords versehen, erscheinen sehr wohl bei Google und können als gute Werbung für das Unternehmen dienen.

Bezogen auf Reporting bieten sich sowohl für Corporate Blogs, als auch für soziale Netzwerke genügend Analyse Tools, die helfen einen Überblick über Aktivitäten und Erfolge zu erlangen. Jedoch kann man bei dem eigenen Blog mehr durchaus wichtige Informationen wie die Verweildauer des Besuchers auf bestimmten Seiten herausfinden, was leider keines der Analyse Tools aus einem Profil auf den sozialen Netzwerken filtern kann.

Nachteile:

Im Vergleich zu sozialen Netzwerken hat der Blog auch Nachteile, besonders die erforderliche höhere Mitarbeiterkapazität und die regelmäßige Verpflegung mit neuen Inhalten. Im Durchschnitt (vlg Studie) haben Blogs vier feste Autoren und gelegentlich Gastautoren, von denen die erfolgreichsten ihren Blog in der Woche mit durchschnittlich 3 Beiträgen versorgen. Ein Blogeintrag verlangt zudem deutlich mehr Know-how, einen guten Schreibtstil und einen Korrekturleser, im Gegensatz zu einem 140 Zeichen Tweet. Schlussendlich zahlt sich der erhöhte Aufwand zurück, wenn die Leser durch hochwertige Blogeinträge informierter über und interessierter an dem Unternehmen sind.

Fazit:

Im Grunde genommen ist die Debatte um soziale Netzwerke und Corporate Blogs eine Sache der Geduld. Sicherlich liegt die Interaktionsrate deutlich höher, wenn User schon eingeloggt sind und lediglich mit einem Klick einen Daumen hoch geben müssen. Bei Blogs erhalten etwa zweidrittel aller Artikel überhaupt keine Kommentare, was an mehreren Faktoren wie z.B. Social-Sharing-Buttons, der Kommentarfunktion selbst oder der fehlenden Benachrichtigung des Unternehmen über Interaktionen auf dem Blog liegen kann. Trotz der oft ausbleibenden Rückmeldung der Leser bringt ein Blog seinem Unternehmen auf Dauer mehr Ansehen und Vertrauen der Kunden. Auch, wenn sich die Mehrheit der Argumente für einen Corporate Blog aussprechen, heißt das keinesfalls, dass Profile auf sozialen Netzwerken für Unternehmen sinnlos sind. Facebook, Twitter & Co sind immer noch wichtig und werden es noch einige Zeit sein, es ist jedoch genau so wichtig, dass die eigene Social Media Präsenz nicht nur von ihnen abhängt.

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Jasmin Kind

Jasmin steckt mit der Nase tief in den Weiten der Marketing Welt und interessiert sich bei APTLY für Alles, was mit Text, Bild und Kommunikationskonzepten zu tun hat.

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