Vergänglichkeit – Die Zukunft von Social Media?

Dass die sozialen Netzwerke stets im Wandel sind, dürfte niemanden überraschen. Ein Trend, der sich jedoch in letzter Zeit abzeichnet, ist der der Vergänglichkeit. Was hat es damit auf sich und welche Folgen wird dieser Wandel haben?

Jeder ist auf sozialen Netzwerken. Und jedes Netzwerk hat über die Jahre Daten von jedem Einzelnen gespeichert. Da Datenschutz zur Zeit ein großes und hart umkämpftes Thema darstellt, ist es nicht verwunderlich, dass sich immer mehr Nutzer deutlich vorsichtiger zeigen mit dem, was sie für die Öffentlichkeit posten.

 

Doch es gibt einen Weg aus dieser Misere: Vergänglichkeit.

In den letzten Monaten lässt sich ein eindeutiger Trend für die Zukunft von Social Media beobachten, der mehr als nur ein kurzweiliger Hype sein wird. Nutzer löschen regelmäßig ihre Beitrage in sozialen Netzwerken. So gibt es etwa ein immer größer werdendes Kollektiv aus “Tweet-Löschern”, die mittels Coding ihre Tweets auf Twitter nach einer beliebigen Zeit automatisch löschen lassen. Die Grundidee dabei ist, zum ursprünglichen Zweck von Twitter zurück zu kehren, zu einer Zeit, in der Nutzer Twitter wie einen Gedankenfluss verwendeten. Netzaktivist John Young von Cryptome geht sogar noch einen Schritt weiter, wenn es um Tweets geht:

Weil sie Müll sind. Wir brauchen sie nicht aufzuheben. Auf Twitter finden sich einige der schlimmsten Sachen, die ich je gesagt habe. Wieso sollte ich daran festhalten?

In einem Zeitalter, in dem Beiträge auf sozialen Medien Karrieren zerstören oder sogar als Beweismittel vor Gericht verwendet werden, sehnt man sich nach Entlastung. Der eigene digitale Fußabdruck verfolgt einen sprichwörtlich auf Schritt und Tritt. Wer würde nicht gerne einfach einmal etwas über soziale Netzwerke veröffentlichen, das einem nicht auf ewig vorgehalten werden kann?

Selbst Facebook testete letztes Jahr ein Feature, bei dem Nutzer einen bestimmten Zeitraum festlegen konnten, nach dem ein Status sich von selbst erst aus dem Profil und schließlich vom Server löscht. Wohl ist über die Testphase hinweg nicht viel passiert, was an einem bestimmten Aspekt liegen kann: Werbung. Facebook baut in den letzten Jahren immer mehr auf Werbekunden auf, wodurch sich das einst soziale Netzwerk “für Freunde und Familie” zu einer wahren Fundgrube für Native Advertising gewandelt hat.

Doch wie sollten Werbekunden auf Facebook ihre Produkte auf Nutzer zuschneiden können, wenn diese immer vorsichtiger mit ihren Daten umgehen und Beiträge nach kürzester Zeit nicht mehr verfügbar machen? Das Konzept der Vergänglichkeit könnte das gesamte Business Konzept zu Fall bringen.

Nur wenige soziale Netzwerke haben den Trend erkannt, beziehungsweise sich vollständig darauf angepasst. Bestes Beispiel ist die Plattform Snapchat, die auf dem Reiz aufbaut, einen Beitrag nur für eine bestimmte und dabei recht kurze Zeit sehen zu können. Dadurch wird Kommunikation wieder menschlicher – Gespräche bestehen wie im echten Leben nur für den Moment. Alles was übrig bleibt, ist die Erinnerung daran.

Der stetig steigende Erfolg und die wachsenden Nutzerzahlen von Snapchat beweisen, dass diese Art von sozialem Netzwerk besonders bei der jungen Generation (zwischen 15-25 Jahren) den richtigen Nerv trifft. Viele vermeintliche the next big thing Netzwerke (wie Ello) setzten bisher auf den Aspekt von Exklusivität und Werbefreiheit und blieben dabei leider eher semi-erfolgreich. Ein Konzept wie Snapchat beweist, dass es sehr wohl Wege aus der Allmacht von Facebook & Co gibt, die an sich das “sozial” in “sozialem Netzwerk” kaum noch verdienen.

Sicherlich gibt es auch auf Snapchat Werbemaßnahmen und egal welches Netzwerk als nächstes aufsteigen wird – auch dort wird es wieder Werbung geben. Der Unterschied liegt hierbei darin, dass Werbung auf Netzwerken mit vergänglichen Nachrichten nicht auf Traffic abzielt, sondern auf Branding. Gewissermaßen müssen sich Werbende von der Bequemlichkeit des Native Advertising mehr oder minder verabschieden, beziehungsweise verstehen, dass einfach Werbung nicht überall gesehen werden will.

 

Vergänglichkeit nimmt sozialen Netzwerken den Druck, entfernt das Damokles Schwert, das über den Daten und dem Gesagten schwebt, und gibt dem Nutzer die ihm zustehende Kontrolle wieder. Nicht mehr viel über Folgeerscheinungen nachdenken zu müssen und freier mit einer Community zu kommunizieren sind Bedürfnisse, die besonders in den jungen Nutzern verstärkt anzutreffen sind. In wenigen Jahren wird die Social Media Landschaft komplett anders aussehen, ein wenig back to the roots eben. Wer sagt schon nicht gerne, dass früher alles besser war?

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Jasmin Kind

Jasmin steckt mit der Nase tief in den Weiten der Marketing Welt und interessiert sich bei APTLY für Alles, was mit Text, Bild und Kommunikationskonzepten zu tun hat.

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