Das Salesforce Sommer Release 2020 – was gibt’s Neues?

Wenn wir ehrlich sind, fühlt sich 2020 momentan ziemlich holprig an – und zwar in allen Lebensbereichen. Auch Salesforce hat das ursprünglich für den 8. Mai (Sandbox Preview) und 15. Mai – 12. Juni (Produktivinstanzen) geplante Summer ’20 Release verständlicherweise etwas nach hinten verschoben. Doch trotz allem halten auch die neusten Release Notes aus dem Salesforce Universum einige Highlights bereit, die wir hier für euch zusammengestellt haben.

Sales Cloud

Eine wichtige Änderung im Integrationsportfolio von Google Mail und Outlook

Direkt an den Anfang möchten wir eine wichtige Änderung in Bezug auf den Lightning Sync stellen. Diese ist besonders relevant für Unternehmen, die planen, Salesforce nach dem Winter ’21 Salesforce Release zu kaufen und einzuführen. Denn: ab Winter ’21 wird Lightning Sync für neue Salesforce Kunden nicht mehr verfügbar sein, die diese Funktion bis dahin nicht aktiviert haben. 

Statt des Lightning Sync kann nun die Funktion „Einstein Activity Capture“ genutzt werden, um eine Synchronisierung der Kontakte und Events der Vertriebsmitarbeiter zwischen Google oder Outlook und Salesforce durchzuführen. Einstein Activity Capture bietet dabei mehr Funktionalitäten, ist stärker in den Einstein-KI-Ansatz von Salesforce integriert, kann aber auch zusätzliche Lizenzen erfordern (für alle Sales Cloud Kunden sind die ersten 100 Lizenzen enthalten).

Wichtig zu wissen: Einstein Activity Capture bringt gewisse Einschränkungen mit sich, wenn es um die Datenspeicherung geht. Daten, die von Einstein Activity Capture erfasst werden, werden nur für 24 Monate außerhalb von Salesforce gespeichert und wirken sich daher nicht auf die Salesforce Datenzuweisungen aus. Es fallen aber keine zusätzlichen Kosten für die Datenspeicherung an.

Salesforce setzt damit den Weg in Richtung KI-gestützter Technologie konsequent fort. Was das für die Zukunft des Lightning Sync bedeutet, bleibt abzuwarten.

Verbesserungen der Kanban-Ansicht

Das Konzept der prozessgesteuerten Führung wird ständig verbessert – und wir freuen uns jedes Mal ein bisschen mehr. Mit dem neuesten Release profitieren auch User, die geführte Flows nutzen, von der Kanban-Ansicht. Wer einen Flow verwendet, um Schlüsselfelder und Leitlinien für einen Vertriebsprozess oder ein Projekt festzulegen, bekommt nun auch entsprechende Kanban-Ansichten angezeigt. So behalten Vertriebsmitarbeiter die Übersicht und können über Detailansichten alle Informationen auf einen Blick abrufen.

Neue Optionen im Flow Builder

Mit jedem Release überführt Salesforce mehr und mehr ehemalige „Code only“ Features in das Flow Builder Interface (#morePowerToTheAdmin). Das freut Flow-Experten, die so noch mehr Möglichkeiten für die Gestaltung von geführten Flows erhalten. Doch mehr Möglichkeiten bedeuten auch höhere Komplexität – so werden Flows immer mehr zu einer Wissenschaft für sich. Nichtsdestotrotz sind wir großen Fans und freuen uns besonders über die neuen Platform Event-Triggered und Record-Triggered Flows.

Dynamic Actions auf Lightning Pages (BETA)

Okay, diese Funktion ist eine Beta-Funktion, ist nur in der Desktop-Ansicht zugänglich und nur für Custom Objects nutzbar. ABER – es ist ein Anfang! Bis zum Summer ’20 Release brauchte man mehrere Seitenlayouts, um verschiedene Aktionsschaltflächen anbieten zu können. Damit ist jetzt Schluss und wir erhalten im Lightning App Builder die Möglichkeit, Dynamic Actions zum Highlights Panel für benutzerdefinierte Objekte hinzuzufügen.

Es liegt auf der Hand, dass Salesforce sich vom alten Seitenlayout-Editor entfernen möchte. Vor allem, wenn man weiß, dass mit der „Dynamic Forms (Non-GA Preview)„-Verbesserung die nächste große Entwicklung zur Erstellung flexiblerer Seiten bereits auf dem Weg ist. Dynamic Actions auf Lightning Pages sind also vielleicht erstmal nur eine kleine Verbesserung, aber im Kontext des Big Pictures bedeutet sie mehr Flexibilität für Admins, um Prozesse benutzerfreundlicher zu gestalten.

Salesforce Pardot

Pardot Developer Sandboxen (BETA)

Sicher, Sandboxen sind keine neue Erscheinung im Salesforce-Universum. Aber die Salesforce Pardot Sandboxen sind es! Die offene Beta-Version ist mit dem Summer ’20 Release allgemein verfügbar und wird über eine Full Copy Salesforce Sandbox bereitgestellt.

Wir möchten uns allerdings erstmal nicht zu früh freuen, denn wer Developer Sandboxes in Pardot nutzen möchte, muss eine Pardot Advanced Edition besitzen und bereits eine Salesforce Full Copy Sandbox im Einsatz haben. Auch bringt eine Pardot Sandbox im Vergleich zu den vorherigen Pardot Trainingsinstanzen noch nicht die Vorteile mit sich, die man normalerweise von einer Sandbox erwartet: Wir können zwar neue Konfigurationen in Pardot Sandboxen erstellen und testen, müssen dann aber alles manuell in der Produktivinstanz nachbauen, wenn wir mit dem Setup in der Sandbox zufrieden sind. Es gibt (noch) keine Bereitstellungsoption (Deployment) für Daten und Konfiguration aus der Prod. Ein weiteres Manko: Bei einem Refresh der Salesforce Sandbox wird die Pardot Sandbox deprovisioniert. So muss man bei jedem Refresh wieder von vorne beginnen.

Da es sich aber immer noch um die Beta-Version handelt, halten wir dies für einen sehr aufregenden Schritt hin zu einer vollwertigen Pardot Sandbox, wie wir sie von Salesforce normalerweise kennen. Wir bleiben gespannt!

Upgrade auf den Salesforce-Pardot Connector v2

Bis jetzt gab es für ältere Pardot Accounts, die vor dem 11. Februar 2019 provisioniert wurden, nicht die Möglichkeit, von der Salesforce-Pardot Connector Version 1 auf die Version 2 zu upgraden, die alle Pardot Kunden nutzen, deren Account nach dem 11. Februar 2019 provisioniert wurde. Mit dem neusten Release geht das nun!

Warum man vom Connector v1 auf den Connector v2 upgraden sollte? Welche Vorteile bringt der Connector Version 2? Zu allererst werden natürlich alle Neuerungen hinsichtlich des Syncs zwischen Salesforce und Pardot auf der neuen Connector Version gemacht. Wer also alle Verbesserungen und Anpassungen mitnehmen möchte, kann dies nur mit der neusten Version. Ein direkter Vorteil der v2 ergibt sich aber vor allem dadurch, dass man statt einer vollwertigen Salesforce User Lizenz nun den B2BMA Integration User für den Connector verwenden kann. Somit wird also eine Salesforce-Lizenz wieder frei und wir sparen bares Geld!

Eine weitere Neuerung: Mit der Salesforce-Pardot Connector Version 2 kann der Salesforce-Pardot Sync nun pausiert werden (während in der v1 der gesamte Sync deaktiviert werden musste). Zum Pausieren des Syncs gibt es in den Einstellungen am Connector v2 eine entsprechende Auswahl „Pause Sync“. Wird der Sync pausiert, erscheint im User Interface sofort eine entsprechende Meldung und zudem der Hinweis, dass nach 30 Tagen des Pausierens ein vollständiger Daten-Sync notwendig wird. Besonders nützlich ist auch die Option „Sync Metadata“, mit der man auch während eines pausierten Syncs die neuesten Felder oder Picklist-Werte für Felder aus Salesforce abfragen kann. Dabei werden die Feld-Konfigurations-Daten aus Salesforce an Pardot übertragen, aber eben keine Prospects synchronisiert. Daumen hoch!

Communities

Security Policy Updates und Änderungen für Gastbenutzer

Ein wichtiges Take-Away aus den Release Notes für Communities ist ein Update der Security Policy seitens Salesforce, das Auswirkungen auf Gast-User öffentlicher Salesforce Seiten haben kann (bspw. Seiten, die auf site.com, force.com, oder Communities aufbauen). Folgende Bereiche können beeinflusst werden:

Datensichtbarkeit: Gastbenutzer können den Zugriff auf bestimmte Daten verlieren.
Record Updates: Gastbenutzer können keine Datensätze mehr aktualisieren oder löschen.
Guest Flows: Einige Creation Flows von Gastbenutzern können unterbrochen werden.
User Visibility: Gastbenutzer können Zugriff auf die Sichtbarkeit der Community Member verlieren.

Wichtig zu wissen: Im aktuellen Release gibt es noch die Möglichkeit, die automatische Aktivierung dieses Updates zu deaktivieren. Im Winter ’21 Release wird das Update jedoch erzwungen und es gibt keine Opt-Out Möglichkeit mehr. Wir sollten uns also schon jetzt mit den Auswirkungen auf unsere Instanzen beschäftigen! Hier bietet Salesforce diverse Tools und Hilfsartikel für den Umgang mit diesem Update.

Salesforce Marketing Cloud

Der Path Optimizer im Journey Builder

Die Marketing Cloud schüttelt in diesem Release ein A/B Testing für Journey-Pfade aus dem Ärmel: Der Path Optimizer ist ab Sommer ’20 für alle Journey Builder Kunden zugänglich. Die Funktion lässt uns den Fluss von Aktivitäten und der Kommunikation innerhalb der gesamten Customer Journey testen und zeigt auf Basis diverser E-Mail Engagement Metriken, welche Pfade die besten Ergebnisse liefern. Je nach Ergebnis lassen sich dann neue Kontakte oder Leads in laufenden Journeys automatisiert oder manuell den erfolgreichsten Pfaden zuweisen.

Um verschiedene Populationssegmente oder Milestones zu optimieren, ist es möglich, gleich mehrere Path Optimizer-Aktivitäten innerhalb derselben Journey zu platzieren.

Pausieren und Fortsetzen von Journeys im Journey Builder

Auch hier zieht die Marketing Cloud nach: Mit dem neuesten Release lassen sich Journeys im Journey Builder nun ganz einfach pausieren und fortsetzen. Bis dato mussten Journeys noch vollständig gestoppt und anschließend neu aufgebaut werden, wenn Unternehmen ihre Kommunikation aus verschiedensten Gründen pausieren wollten oder mussten. Ab jetzt können wir laufende Journeys für bis zu 14 Tage pausieren und so das Processing von Kontakten während der Journey und das Senden von Nachrichten aus dem Journey Builder vorübergehend unterbrechen.

Das Ganze funktioniert sowohl direkt über die Marketing Cloud, als auch per REST API Request.

Verbesserte Empfehlungen zur Versandzeitoptimierung

Ein kleines aber doch sehr nützliches Update: Verbesserte Empfehlungen zur Versandzeitoptimierung! Dieses KI-Feature der Marketing Cloud gehört zum Salesforce Einstein Analytics Portfolio und bietet Usern Empfehlungen für den E-Mail Versand, basierend auf unter anderem Message Open Likelihood Scores für verschiedene Uhrzeiten und Wochentage.

Das Einstein Send Time Optimization Dashboard zeigt die Ergebnisse von Einsteins Modellierung jetzt noch deutlicher.

Das Summer ’20 Release wird in allen Produktivinstanzen vom 12. Juni – 18. Juli ausgerollt. Das genaue Release-Fenster für die eigene Instanz kann unter https://status.salesforce.com/ eingesehen werden.